Neues Programm: Schule schafft Zugang zur Ausbildung

13. Januar 2017
13. Januar 2017 Florian Pieper

Neues Programm: Schule schafft Zugang zur Ausbildung

Von unserer Reporterin Melanie Schröder

Andernach. Für sie ist es eine erste richtige Chance: Drei Schüler der St.-Thomas-Realschule plus haben am Mittwochabend im historischen Rathaus von Andernach ihren Ausbildungsvertrag unterschrieben – beziehungsweise deren Eltern, denn die Heranwachsenden sind minderjährig und gehen noch zur Schule. Die Neuntklässler sind Teil des Projekts „Praxisorientierte Ausbildungsplatzgarantie“ (ProAG) – eine Initiative, die im Jahr 2013 von der Schule angestoßen wurde.

Inzwischen ist das Programm zu einer Herzensangelegenheit von Schulleiter Martin Leupold, Konrektor Florian Pieper sowie Erziehungswissenschaftlerin Christina Schmitt gereift.Das Angebot richtet sich an schulisch schwache Schüler im berufsreifen Alter, die mit ProAG noch vor Beendigung des Hauptschulabschlusses eine Perspektive für ihr Leben erhalten sollen.

In Kooperation mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, der Industrie- und Handelskammer und der Stadt Andernach ist dieses Vorhaben nun zum Beispiel für Abdul Hannan Muhamad Realität geworden. Der 17-Jährige tritt 2017 seine Ausbildung zum Friseur in Kruft an. Alles, was mit Haaren zu tun hat, interessierte ihn schon immer, erzählt der aufgeweckte Junge. Vor etwas mehr als eineinhalb Jahren kam er mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland. In seiner Heimat hat er bereits ein Jahr in einem Herrensalon viel über das Frisieren gelernt, sagt sein Vater stolz und betont, wie dankbar er ist, dass sein Sohn in Deutschland eine Chance bekommt. Und Abdul Hannan selbst blickt voller Vorfreude ins nächste Jahr: „Für mich wird es spannend, auch Frauenfrisuren kennenzulernen. Ich freue mich sehr darauf.“

Letzterem kann sich Justin Kniss nur anschließen. Mit seinen 15 Jahren hat er einen Ausbildungsvertrag zum Elektroniker in der Tasche und ist sehr glücklich damit. Auf die Idee brachte ihn der Jobfux der Schule.

In Person steht hinter dieser Bezeichnung Christina Schmitt. Sie begleitet die Schüler auf ihrem Weg zu einer Ausbildungsstelle. Dazu gehört neben vielen individuellen Beratungsgesprächen auch die Vermittlung in ein Langzeitpraktikum. Denn ein Jahr lang gehen Schüler ab dem zweiten Halbjahr der achten Klasse jeden Mittwoch einem Praktikum nach. Und aus diesem entwickelt sich im besten Fall ein Ausbildungsverhältnis. Bei Firmen trifft das Angebot ins Schwarze, berichtet Leupold: „Es ist nicht mehr so, dass Auszubildende in Betrieben Schlange stehen. Heute müssen die Firmen gezielt auf Suche gehen, deswegen kommt das Angebot gut an.“ Wenn die Chemie zwischen Chef und Schüler stimmt, ist das Projekt für beide Seiten ein Gewinn.

Etwa 15 Betriebe beteiligen sich an ProAG, und wenn es nach Leupold geht, sollen es noch mehr werden. Der Schulleiter wünscht sich auch, dass im nächsten Jahr zehn junge Erwachsene ihren Vertrag unterzeichnen können. Damit seine Schüler rechtzeitig über berufliche Perspektiven nachdenken, beginnen die Lehrer der St.-Thomas-Realschule plus bereits in der sechsten Klasse, Lehrinhalte zur Berufsorientierung zu vermitteln. Wenn dieses Konzept fruchtet, könnten in den nächsten Jahren tatsächlich noch mehr Verträge verteilt werden. Auch für ihre Realschüler tüfteln die Pädagogen derzeit an einem äquivalenten Angebot.

 

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