Andernacher Realschüler halfen in Dernau Spuren der Flutkatastrophe zu beseitigen

17. November 2021
17. November 2021 Volker Weber

Andernacher Realschüler halfen in Dernau Spuren der Flutkatastrophe zu beseitigen

Säckeweise Schwemmgut im Ahrtal weggeräumt

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Sie bugsierten angeschwemmte Äste und Bauschutt zu Sammelstellen, stopften angespülte Haushaltsgegenstände in Müllsäcke und machten sich in Marienthal und Dernau mit den Folgen der Flutkatastrophe vertraut: 26 Schülerinnen und Schüler der Realschule plus St. Thomas in Andernach waren einen Tag an der Ahr unterwegs, um beim Beseitigen der Hochwasser-Schäden zu helfen.

„Als wir an der Ahr ankamen, war ich schockiert, wie zerstört Vieles in dieser Gegend immer noch ist“, sagt Leonie aus der Klasse 9c. „Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass wir Betroffenen der Flut ein kleines bisschen helfen konnten.“

Im katholischen Religionsunterricht an ihrer Schule hatten sich die Neuntklässler nach den Sommerferien intensiv mit der Flutkatastrophe beschäftigt. Die teilweise schrecklichen Bilder aus Ahrweiler, Dernau und anderen Orten entlang des Flüsschens, das zu einem alles mit sich reißenden Strom angeschwollen war, bewegten die Jugendlichen sehr.

Doch es gab auch ermutigende Momente: „Nachdem die Schüler herausgefunden hatten, wie viele Menschen sich im Sommer auf den Weg an die Ahr machten, um Flutopfern in irgendeiner Weise zu helfen, äußerten sie selbst den Wunsch, ins Katastrophengebiet zu fahren und dort beim Wiederaufbau mitanzupacken“, erzählt Realschullehrer Rouven Wangelin, der die Unterrichtsreihe zusammen mit Referendarin Elena Platz plante.

Was die junge Frau in besonderer Weise für diese Aufgabe qualifizierte: Die ehemalige Weinkönigin ihrer Heimatstadt Ahrweiler war persönlich von der Flutkatastrophe betroffen. Als Folge der Überschwemmung war ihre eigene Wohnung monatelang unbewohnbar. Statt wie ursprünglich geplant an der stark beschädigten Erich-Kästner-Realschule plus in Bad Neuenahr-Ahrweiler trat sie ihren schulischen Vorbereitungsdienst im August in Andernach an.

Elena Platz: „Mich als angehende Lehrerin, die selbst aus dem Ahrtal kommt, hat es sehr stolz gemacht, dass unsere Schülerinnen und Schüler einen Tag als Helfer an der Ahr tätig waren. Sie haben tatkräftig dazu beigetragen, unsere Heimat wieder schön zu machen.“

Haupteinsatzgebiet der Andernacher Schüler waren die ufernahen und von der Flut überspülten Weinberge zwischen Marienthal und Dernau, aber auch entlang des Ahrufers und der hinweggeschwemmten Bahngleise in Dernau machten sich die 14- bis 18-jährigen Jugendlichen beim Beseitigen des angespülten Unrats nützlich. „Wir haben in Dernau sehr viele Müllsäcke mit Abfällen voll bekommen“, freut sich Michal aus der Klasse 9a. Zudem hätten sie unterwegs einen Eindruck von der Katastrophe bekommen und „viel darüber gelernt, was hier los war im Sommer.“

Etwa im Weingut des Marienthaler Winzers Benno Gilles. Dieser hatte die jungen Besucher morgens in seinem schwer beschädigten Winzerhof empfangen, ihnen seine Eindrücke aus der Flutnacht geschildert und sie anschließend in seinem Betrieb, den er und viele Helfer mit Hochdruck wieder aufbauen, herumgeführt. Noch im Herbst des vergangenen Jahres hatten Dorle und Benno Gilles samt ihrer Tochter Corinna, die seinerzeit ebenfalls als Lehrerin an der Realschule plus St. Thomas arbeitete, das Andernacher Lehrerkollegium in ihrem Gasthaus prima verköstigt und durch den eigenen Weinberg geführt.

Dass auch die jugendlichen Helfer aus Andernach nicht mit leerem Magen nach Hause fuhren, dafür hatte nicht zuletzt Andreas Paul aus Wald in der Verbandsgemeinde Bad Münstereifel gesorgt. Der Leiter eines Bauhandwerkbetriebs hatte nicht nur die Müllsammel-Aktion organisiert und die Schüler mit Schutzausrüstung ausgestattet, sondern auch deren herzlichen Empfang inklusive leckerem Mittagessen an der „Formbar“ in Dernau initiiert.

„Als wir Ende September auf der Online-Plattform „Ahrhelp.com“ inseriert hatten, um dort nach Leuten zu suchen, die an der Ahr eine sinnvolle Aufgabe für hilfsbereite Neuntklässler haben, kamen wir schnell mit Herrn Paul in Kontakt, dessen private Hilfsinitiative bereits vielen Flutopfern entlang von Ahr und Erft geholfen hatte“, berichtet Wangelin. Pauls Vermittlung war es auch zu verdanken, dass die Schüler „stilecht“ und zu günstigen Konditionen von einem Busunternehmer aus der Ahr-Gemeinde Hönningen zu ihrem Hilfseinsatz gefahren worden waren. Dessen Betrieb hatte die Flut im Juli ebenfalls übel getroffen.

Nachmittags, als die Schüler wieder im Bus sitzen, um nach Hause zu fahren, sind viele von ihnen erschöpft, aber froh über das, was sie geleistet haben. Dennoch: Lara und Marcel aus der 9c haben längst realisiert, dass noch viel Arbeit vor den Menschen im Ahrtal liegt, bis es in ihrer Heimat wirklich wieder „so schön wie früher“ ist. „Da ist noch so viel zu tun“, sind sich die Beiden einig. „Wir müssen unbedingt bald wieder hier hin.“

Den Segen ihrer Schulleitung für weitere Hilfsmaßnahmen zu Gunsten der Hochwasseropfer jedenfalls haben die Jugendlichen. So verweist Schulleiter Martin Leupold auf eine große Spenden-Wanderung, die die St.-Thomas-Realschule mit allen Klassen am 12. November für die von der Flut betroffene Barbarossaschule in Sinzig startet. Leupold: „Wir hoffen auf viele Sponsoren und Spender, die uns bei dieser Aktion unterstützen.“

 

Bildtexte

Foto 01Ahr: In ufernahen Bereichen rings um Dernau räumten die Schülerinnen und Schüler angeschwemmten Unrat beiseite.

Foto 02Ahr: Die Schüler fanden auch einen fortgespülten Wegweiser des Rotweinwanderwegs.

Foto 03Ahr: Winzer Benno Gilles informierte die Jugendlichen über die Flutnacht und den Wiederaufbau seines stark beschädigten Weinguts in Marienthal.

Foto 04Ahr: In Dernau wurden die jungen Helfer an der „Formbar“ bestens verpflegt.

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